Yidaki , Yirdaki, Yedaki u.a. (yol.)

Allgemeine, offizielle Bezeichnung der Yolngu für das Didgeridoo. Das Wort wird in mehreren nordaustralischen Sprachen in einer ähnlichen Form verwendet. Als Bedeutung des Wortes wird meist Emu-Hals angegeben.
Die Schreibweise ist nur die offizielle Transkription der Aussprache, daher kann die Schreibweise differieren: Yidaki, Yedaki, Yirdaki [1].

Im Rahmen der anhaltenden Diskussion um Ausbeutung oder Missrepräsentation der traditionellen Kultur dieses Instrumentes durch Weiße kommt dem Begriff eine vielschichtige Bedeutung zu.
1. Der Begriff Yidaki [1] ist der allgemeine Name der Yolngu für das Didgeridoo, d.h. sie bezeichnen alle Didgeridoos als Yidaki, unabhängig von dessen Bauweise, Material, Verwendung, kulturellem und sprituellem Hintergrund
2. Neben dieser spezifischen Begriffsverwendung der Yolngu gibt es überdies die von verschiedenen Weißen vertretene Auffassung, den Begriff des Yidaki für eine besondere Variante des Didgeridoo zu reservieren: Yidakis sind demzufolge bestimmte Instrumente aus dem NO-Arnhemland mit spezifischen Merkmalen in Bauart und Klang, hergestellt von Mitgliedern und assoziierten Verwandten der Yolngu Clans. Einige dieser Merkmale sind:
  • leichte Anspielbarkeit
  • z.T. sehr starke Konizität
  • z.T. sehr enger Durchmesser hinter dem Mundstück
  • z.T. sehr große Endöffnungen (sog. Bells, Glocken) besonders bei jüngeren Instrumenten dieses Typs.

3. Yidaki und traditionelles Spiel

Yidaki und traditionelle Spielweise hängen nicht notwendig zusammen, und die beiden Begriffe sind nicht gleichzusetzen.

Schüler, die diese traditionellen Spielarten der Yolngu zu erlernen versucht, bezeichnen ihre Instrumente oft auch dann als Yidaki, wenn sie moderne, also nicht-traditionelle Stile erlernen. Das Erlernen traditioneller Spieltechniken hängt prinzipiell nicht vom Instrument ab. Auf jedem Didgeridoo (jeden Materials) kann probiert werden, traditionelle Spielweisen zu erlernen. Für Weiße (bzw. Nicht-Aborigines) ist es aus verschiedenen Gründen grundsätzlich sehr schwierig, diese Spielweisen angemessen zu lernen, d.h. vor allem, die klanglichen Merkmale der traditionellen Stile bezüglich Präzision, Ausdruck, Emphase, tatsächlich annähernd zu erreichen. Zum Erlernen ist es daher von Vorteil, ein besonders gutes Instrument zu haben.

Abgesehen von der rein technischen Ebene erfordert es ein Höchstmaß an Hingabe und Engagement, die tieferen Ausdrucks- und Bedeutungsebenen des traditionellen Spieles zu erfassen. Eine Anäherung an diese Thematik wird seitens der Yolngu ausdrücklich gewünscht, ist jedoch äußerst komplex.

Bestimmte Yidakis aus NO-Arnhemland scheinen die Spieleigenschaften für die traditionellen Klangfarben und Techniken am besten zu erfüllen. Sehr gut geeignet sind jedoch auch diverse Didgeridoos von westlichen Erbauern, die sich mit den traditionellen Instrumenten intensiv beschäftigt haben. Die Qualität dieser Instrumente ersetzen die Mühen des Lernens aber nicht.

Weitere Informationen zum Thema sind in den Artikeln von Peter Lister auf www.manikay.com sowie dem Essay von Murray Garde, The didjeridu in Maningrida (leider nicht mehr online), zu finden.
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[1] Das unterstrichene "d"  bezeichnet ein sogenanntes retroflexes d: Die Zungenspitze wird zum mittleren Gaumen zurückgebogen. Das Resultat klingt dadurch ähnlich wie ein englisches "r". Deswegen findet man im englischen auch oft die Schreibweise Yirdaki. 

[HS/AS]