Pflege des Didgeridoos

Umfasst alle Maßnahmen, die den ordentlichen (physischen) Zustand und die klanglichen Eigenschaften des Instruments sichern oder verbessern. Wichtige Teilaspekte der Didgeridoopflege bilden
  1. das Einspielen neuer Instrumente,
  2. die Imprägnierung des Innenraumes durch Öle oder alternativ durch Substanzen zur Versiegelung,
  3. Transport und Lagerung sowie
  4. hygienische Maßnahmen.

Die nachfolgend beschriebenen Pflegehinweise beruhen auf fundierten Erfahrungen erfahrener Didgeridoospieler und -bauer und können insofern als gültige Richtschnur dienen. Aber auch bei der Pflege des Instrumentes gibt es verschiedene Ansichten, unterschiedliche Erfahrungen und persönliche Vorlieben und Praxisvarianten. Dies betrifft insbesondere die Imprägnier- und Lagerungsmethoden. Insofern sind die folgenden Informationen und Empfehlungen nicht dogmatisch zu verstehen, sondern als begründete Orientierungshilfe für NeueinsteigerInnen, um eigene Erfahrungen mit der Didgeridoopflege zu sammeln.

Gliederung


   1. Einspielen neuer Didgeridoos
   2. Imprägnieren des Didgeridoos
         1. Ölen
         2. Versiegelung
   3. Lagerung und Transport
   4. Hygienische Maßnahmen


1. Einspielen neuer Didgeridoos


Bei Didgeridoos aus Eukalyptus oder heimischen Hölzern (vgl. Didgeridoobau) sollte folgendes beachtet werden:

Um die Entfaltung des Klangpotentials des neuen Instruments zu befördern und Spannungsrisse zu vermeiden, sollten Didgeridoos (wie jedes Holzwindblasinstrument) langsam eingeblasen werden. Es wird empfohlen, mit einer Spieldauer von 10 Minuten am ersten Tag zu beginnen, und die Spieldauer nachfolgend täglich um 5 Minuten zu erhöhen.

Zum Teil wird insbesondere für hochwertige Yidakis aus Nordostarnhemland geraten, das Instrument am sechsten Einspieltag vor dem Spielen zu wässern. Diese Empfehlung ist aber umstritten: Das Wässern von Yidakis fördert den Kritikern zufolge erheblich die Gefahr der Rißbildung. Die Wässerungsempfehlung ist wahrscheinlich auf ein Verfahren aus Arnhemland zurückzuführen: Traditionell werden frische Yidakis einige Tage bis zu mehreren Wochen in Salzwasser (Meer) eingelagert. Nach mehrmaligen Wiederholen dieser Prozedur bildet sich eine Salzschicht im Instrument aus, die dieses härtet. Weder dieses Verfahren noch die klimatischen Bedingungen Arnhemlands sind aber auf europäische Verhältnisse unmittelbar übertragbar.


2. Imprägnieren des Didgeridoos


1. Ölen


Imprägnieren der Didgeridooinnenwand durch Öle oder Ölmischungen schützt das Holz vor eindringender Feuchtigkeit (Speichel und Kondenswasser), reduziert damit die während des Spiels entstehenden Spannungsunterschiede im Holz (ungleichmäßige Feuchtigkeit bedeutet ungleichmäßiges Arbeiten und Ausdehnen des Holzes) und verringert dadurch die Wahrscheinlichkeit von Rißbildung (vgl. Risse, Reparatur). Darüber hinaus sind sich viele DidgeridoospielerInnen einig, daß das (sachgerechte) Ölen des Didgeridoos die Klangcharakteristik des Instrumentes in der Regel verbessert, was insbesondere mit einer Erhöhung des Obertonspektrums (Obertöne) verbunden ist.

Bei einem neuen Instrument kann das Ölen im ersten Jahr vierteljährlich erfolgen, danach ist ein halbjährliches Ölen im Frühjahr und Herbst (jeweils vor und nach der Heizperiode) in der Regel völlig ausreichend, um Schutz und Klang des Instrumentes zu wahren.

Praktische Vorgehensweise


Bei unbemalten Didgeridoos wird das Mundstück mit einer stabilen Plastikfolie, Klebeband und Gummis dicht verschlossen, und das Öl (+/- 0,2 Liter) am besten über einen Trichter eingefüllt. Danach ist das andere Ende des Instruments ebenfalls zu verschließen. Nun kann durch Drehen und Wenden die Flüssigkeit im gesamten Hohlraum verteilt werden. Das Restöl wird zurück in das Behältnis gefüllt und ist wieder verwendbar.

Bei bemalten Didgeridoos kann im Prinzip dieselbe Methode verwendet werden, dies setzt allerdings ein besonders sorgfältiges Verschließen und Abkleben der Didgeridooenden voraus, andernfalls riskiert man eine Beschädigung der evtl. hochwertigen Bemalung (durch Ölung u./o. Verschmierung). Wem diese Gefahr zu groß erscheint, kann einfach das Öl unter leichter Drehung mehrmals durch das Rohr laufen lassen, bis das Holz überall getränkt ist.

Nach dem Ölen wird das Didgeridoo entweder über einer Schüssel aufgehängt (mit Gürtel oder geeigneter Schnur) oder auf saugfähiges Papier o.ä. hingestellt. Überschüssiges Öl tropft und fließt so aus dem Instrument sauber ab und der Trocknungsvorgang wird insgesamt beschleunigt. Sollte das Didgeridoo nach dem Ölen hingelegt werden, ist darauf zu achten, es von Zeit zu Zeit zu drehen, bis das Öl ganz eingezogen ist. Nach dem Ölen sollte einige Tage abgewartet werden, bevor das Instrument wieder gespielt wird. Kurzfristig kann die Klangqualität eines frisch geölten Instrumentes im Vergleich zum Vorstadium schwächer ausfallen, sollte nach ausreichender Trocknung hingegen merklich ansteigen.

Geeignete Öle

Für die Imprägnierung von Didgeridoos sind u.a. folgende Öle und Ölmischungen gut geeignet:
1. Sogenanntes Grundieröl, auch unter dem Namen Leinölfirniß bekannt, ist üblicherweise eine Mischung aus Leinöl mit Terpintin (häufig 50:50). Das Terpentin verdünnt das dickflüssige Leinöl, beschleunigt daher dessen Trocknung und verflüchtigt sich selber nach einigen Tagen, weshalb Grundieröl auch nicht gesundheitsschädlich ist. Leinölfirniß kann mit wohlriechenden ätherischen Ölen (Orangenöl etc) nach eigenem Geschmack versetzt werden.
2. Sogenannte Holzöle und Hartöle sind üblicherweise käufliche Fertigmischungen aus u.a. Lackleinöl, Leinöl-Standöl, und verschiedenen ätherischen Ölen. Diese Öle bieten in der Regel einen sehr hohen und im Vergleich zu Leinöl(firniß) einen dauerhafteren Schutz, weshalb u.U. ein weniger häufiges Nachölen ausreicht. Vorsicht, nicht alle Produkte aus dieser Gruppe sind für Didgeridoos empfehlenswert, so sind bestimmte Fertigprodukte z.B. vereinzelt schon durch dauerhaft scharfen Geruch im Instrument negativ aufgefallen. Am besten die Erfahrungen anderer SpielerInnen einholen.
3. Zu den geeigneten Ölpräparaten zählt überdies das Tungöl, das insbesondere von Liebhabern von Instrumenten mit "traditionellen" Klang- und Spieleigenschaften (vgl. traditionelle Spielweisen) geschätzt wird.
Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß verschiedene Spieler sogar Speiseöle oder Babyöl für ihre Didgeridoos verwenden. Auch das mag Geschmackssache sein. Insbesondere für hochwertige Instrumente wird hier aber eher davon abgeraten und die Verwendung der einschlägigen Spezialöle empfohlen.


2. Versiegelung


Teile der Didgeridoospieler und -bauerinnen ziehen aus verschiedenen Gründen eine Versiegelung des Instrumentes Ölbehandlungen vor. Hierzu zählen: Einmaligkeit der Behandlung, aber dauerhafter Schutz; zusätzliche Härtung der Didgeridooinnenwand; evtl. auch Erhöhung der Resonanz des Instrumentes. Eine Versiegelung kann überdies angezeigt sein, wenn ein Instrument sehr starke Rissbildungen erlitten hat, die mit den herkömmlichen Reparaturmethoden (siehe Risse, Reparatur) nicht zuverlässig und dauerhaft behoben werden können.

Die Versiegelung der Didgeridooinnenwand erfolgt vom Verfahen wie bei der Ölimprägnierung (siehe oben). Versiegelt wird entweder 1) mit Epoxy oder 2) mit Klarlacken, die jeweils nach der vollständigen Trocknung gesundheitlich unbedenklich sind.
1. Epoxy-Versiegelung: Das während der Verarbeitung hochgiftige Epoxy verlangt äußerste Sorgfalt im Umgang. Es wird dringend empfohlen, Binder und Härter mit einer Feinwaage genau abzumessen, denn bei zuviel oder zuwenig Härter härtet die Mischung nicht richtig aus und die giftigen Bestandteile werden nicht umgewandelt (!).
2. Bei Lacken sind insbesondere schadstoffarme, kinderspielzeuggeeignete bzw. lebensmittelechte PU-Lacke (Polyester-Polyurethan-Dispersion) empfehlenswert. Wie schon erwähnt, sollte (vorab!) bei allen Sorten von Lacken sichergestellt werden, daß diese nach der Trocknung keine Giftstoffe abgeben.

Weniger gut geeignet für die Versiegelung der Didgeridooinnenwand scheint Schellack zu sein. Obwohl dieser im Prinzip speichel- und wasserbeständig ist, liegen Berichte vor, wonach sich die Schellackschicht von der Didgeridoowand gelöst habe (sog. Ausblühen), also nicht von hinreichender Dauer war. Schellack kann aber als Werkstoff in jedem Fall sehr gut für die Außenbehandlung von Didgeridoos verwendet werden (dabei sind Sorten mit einem natürlich hohen Wachsanteil am besten, zu mischen bspw. mit etwas Leinölfirnis und ein paar Tropfen Lavendelöl).


3. Lagerung und Transport


Didgeridoos können liegend, hängend oder stehend gelagert werden. Am wichtigsten ist, das Instrument nach dem Spielen zunächst trocknen zu lassen. Dazu dieses so positionieren, daß Luft durchströmen kann. Stehend trocknet das Instrument um einiges schneller als liegend, da einerseits noch Flüssigkeit abfließen kann, andererseits eine Art Sogeffekt für intensiveren Durchzug sorgt. Vor diesem auch als Kamineffekt bezeichneten Vorgang wird teilweise gewarnt, da dies die Gefahr von Rissbildung beinhalte. Für ein gut gepflegtes, d.h. regelmäßig geöltes Didgeridoo stellt das stehende Trocknen normalerweise jedoch keine Gefahr dar. Am Rande sei darauf hingewiesen, daß ein mit Wasser durchgespültes Didgeridoo schneller trocknet als ein Instrument mit Restspeichel.

Muß das Instrument transportiert werden, bevor es vollständig getrocknet ist, empfiehlt es sich, das Instrument entweder nicht zu verpacken, wenn dies möglich ist, oder aber nach dem Transport umgehend auszupacken und den Trocknungsvorgang einzuleiten bzw. zu beenden. Unzureichende Trocknung bzw. längerwährende Feuchte des Instruments (in Kombination mit unzureichender Imprägnierung) dürfte die Hauptursache für Schimmelbildung (s.u. Hygienische Maßnahmen) im Didgeridooinnenkanal sein, von der leider immer wieder berichtet wird.

Wird das Instrument liegend gelagert, sollte die Unterlage möglichst sauber und hygienisch unbedenklich sein (keine Lagerung auf älteren Teppichen u.ä.). Bei stehender Lagerung gilt dasselbe, überdies kann es nicht schaden, das Mundstück mit einem Würfelbecher o.ä. abzudecken, damit das Instrument nicht zu sehr austrocknet.

Darüber hinaus sollte möglichst darauf geachtet werden, das Instrument
  • keinen größeren Temperaturschwankungen auszusetzen
  • in einem über das Jahr hin etwa gleichbleibend zimmertemperierten Raum zu lagern
  • vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen
  • vor heftigen Stößen, Kratzen und anderen Gewalteinwirkungen zu schützen
  • bei größeren Standortwechseln am besten in einer geeigneten Tragetasche oder zumindest in einem Tuch eingeschlagen zu transportieren.


4. Hygienische Maßnahmen


Wird ein Wachsmundstück verwendet, sollte dieses regelmäßig erneuert werden, weil es einen breiten Nährboden für Verunreinigungen aller Art bietet. Andere Mundstücke können mit Propolistinkturen und ähnlichem von Zeit zu Zeit desinfiziert werden. Bei robusten und gut versiegelten Instrumenten kann es durchaus empfehlenswert sein, den Innengang des Didgeridoos in regelmäßigen Abständen mit heißem Wasser, unter Verwendung eines festen Duschstrahles (und eventueller Zugabe eines Spülmittels) zu reinigen. Wenn mit Wasser gearbeitet wird, Temperatur in jedem Fall moderat steigern, um starke Temperaturunterschiede im Didgeridoo möglichst zu vermeiden.
Die Reinigung mit einem warmen Duschstrahl empfiehlt sich insbesondere, wenn das Instrument häufiger mit Essensresten in Berührung kommt, was von den Gewohnheiten des Spielers bzw. der Spielerin abhängt. Generell dürfte es günstiger sein, die Berührung des Instrumentes mit Nahrungsmitteln so weit wie möglich zu vermeiden. So spricht nichts dagegen, zumindest zu Hause das Didgeridoo mit sauberem Mundraum, d.h. geputzten Zähnen, zu spielen. Neben dem ordentlichen Trocknen des Instrumentes nach dem Spiel (siehe oben) dürfte dies die zuverlässigste Maßnahme sein, um der gefürchteten Schimmelbildung vorzubeugen. Sollte ein Instrument aber von Schimmel befallen worden sein, hilft nur wiederholte Intensivreinigung unter Verwendung von Bürsten, Essig, und heißem Wasser.

Darüber hinaus ist der Befall des Didgeridoo durch Milben möglich, insbesondere wenn das Instrument häufig mit Teppichboden, Matratzen u.ä. in Berührung kommt. Zum Schutz dagegen kann das Instrument an beiden Öffnungen z.B. alle 2 Wochen mit einem Gemisch aus bis zu 98%igem Ethanol-Alkohol, Propolis-Tinktur und ätherischen Ölen nach eigenem Gusto eingesprüht werden.

Die in diesem vierten Abschnitt angeführten Ratschläge gelten auch für Instrumente aus robusten anderen Materialien (vgl. Eigenbau), insbesondere für Instrumente aus HT-Rohr und anderen Kunststoffen, die ohne regelmäßige Reinigung sehr unangenehme Gerüche entfalten können. Für Didgeridoos aus Bambus ist die Reinigung mit warmen Wasser in der Regel hingegen nicht zu empfehlen.

[HS]