Passive Voice (eng. “passive Stimme”)

Fachausdruck zur Umschreibung eines sehr subtilen, spezifischen Stimmeinsatzes insbesondere beim  traditionellen Didgeridoospiel (vgl. traditionelle Spielweisen).
Die sehr leise in einer entsprechenden Tonhöhe eingebrachte Stimmer erzeugt dabei eine Schwebung, die als knarrender Ton wahrgenommen wird und vom ungeübten Ohr mit dem gerollten „r“ verwechselt werden kann.

Manche Spieler nehmen die Nutzung ihrer Stimme im Rahmen dieser Spieltechnik selbst nicht (mehr) wahr, da sie diese klangliche Anreicherung des Grundtones quasi „automatisch“ vollziehen und daher dieser feinen Hinzugabe von Stimme keinerlei Beachtung schenken.
Der Begriff wird vor allem von Traditionalisten als wichtiges Merkmal der Tonbildung in traditionellen Spielweisen gebraucht, die entsprechende Spieltechnik kann aber auch in modernen Stilen eingesetzt werden.

Der Begriff der „passiven“ Stimme versucht, zwei Merkmale der fraglichen Spieltechnik zu umschreiben:
  1. Die durch die Stimme erzeugten Tonkomponenten verschmelzen mit den  Obertönen so, dass Stimmanteil und Obertonanteil beim Hören des erzeugten Gesamtklangs nicht eindeutig voneinander unterschieden werden können; zu hören ist in etwa ein klanglich „veredelter“ (oder auch schlicht: modifizierter) Oberton, der als „rollernder/knarrender“ Ton wahrgenommen wird, die Nutzung der Stimme wird hingegen nicht erkannt.
  2. Insbesondere für viele traditionelle Spielstile ist die Hinzugabe von Stimme in den Grundton selbstverständlich, um die „richtige“ Klangfärbung des Tones zu erzielen. Aber auch bei bestimmten Spielern zeitgenössischer Stile erfolgt die subtile Hinzugabe spezifischer Stimmklangfarben in den Grundton mehr oder minder regelmäßig oder gar wie „von selbst“ („automatisch“). Die Zugabe von Stimme wird von diesen Spielern häufig nicht mehr als aktive Spieltechnik wahrgenommen, da sie stark internalisiert ist und quasi mit der Bildung des Grundtones zusammenfällt, über dessen Ausführung erfahrene Spieler mit Spielpraxis auch nicht mehr nachdenken. Die quasi automatische oder auch unbewusste (bzw. kognitiv ausgeblendete) Beifügung von Stimme für die richtige Klangfarbe des Grundtones wird vor diesem Hintergrund bildhaft als „passive Stimme“ bezeichnet, obwohl es sich physiologisch gesehen um einen aktiven Einsatz der Stimme handeln kann.

[HS]