Notation für Didgeridoo (lat. Aufzeichnung)

Als „Notation“ kann generell jede Form von schriftlicher Darstellung von gespielten Didgeridooklängen gelten. Jede Form der Notation setzt eine „Legende“ voraus, die die entsprechenden Zeichen erklärt. Notationen dienen zur Speicherung oder Archivierung von musikalischen Ideen, Rhythmen oder auch ganzen Musikstücken.
Der Sinn und Gebrauchswert von Notationen für Didgeridoo ist unter DidgeridoospielerInnen umstritten: Viele SpielerInnen (darunter auch Profis) finden für ihre Zwecke die Audio-Aufnahme zum Festhalten von Sounds und Spielideen völlig ausreichend; eine zwingende Notwendigkeit zum (langwierigen) Erlernen einer Notation für Didgeridoo sehen sie nicht. Für die Befürworter und NutzerInnen von Didgeridoonotationen bieten Notationen hingegen Vorteile in der Vermittlung (Lehre) des Didgeridoospiels und für Austausch und Kommunikation mit anderen Musikern sowie der Musikwissenschaft.
Voraussetzung bei jeder Notation ist eine intensive Beschäftigung mit der Bedeutung der Symbole und deren musikalischer Auswirkung. Bestehende Notationen für Didgeridoo unterscheiden sich deutlich in Komplexität und Schwierigkeitsgrad. Grob lassen sich intuitive, deskriptive und klassische Notationen unterscheiden:
  1. Intuitive (ad-hoc) Notation. Die Darstellung eines Rhythmus mit einfachen Wortelementen oder Zeichen, z.B. „Tu-wo-taka-taka“. In ihrer einfachsten Form stellt diese Notation keine rhythmisch ausgearbeitete Abfolge dar, sondern dient als Gedächtnisstütze.

  2. Deskriptive (beschreibende) Notation. Meist in Verbindung mit Elementen der klassischen Musik oder Schlagzeug-/Trommelnotation wird darüber hinaus die genaue Art des Anspieles angegeben, z.B. durch phonetische Symbole, die über die genaue Art der Lauterzeugung Auskunft geben. Entsprechungen aus anderen Instrumentendisziplinen sind Saxophon-, Flöten- oder Klaviernotationen, bei der die Fingerposition in Form von graphischen Symbolen angegeben wird.
    Diese Form der Notation wird insbesondere von musikalisch vorgebildeten Didgeridoo-Lehrern benutzt.
    (Beispiele: Systeme von Defois (phonetisch), Elfert (phonetisch analytisch), Spielmannleitner (klassisch: Schlagzeug)).

  3. Klassische Notation. Die Darstellung des Didgeridoospiels ausschließlich mit den Mitteln der klassischen Notation. Sie geht davon aus, dass die Ton-Abfolge einer gewissen spieltechnisch bedingten Logik unterliegt, wie sie zum Beispiel für die Fingerpositionen bei Klavier oder Saxophon gegeben ist, die vom Spieler zunächst gelernt und verinnerlicht werden muss. Im Zweifelsfalle können einzelne Symbole auf bestimmte Effekte hinweisen, wie z.B. den Wok.
    Beispiele sind u.a. Notierungen der Musikethnologin Alice M. Moyle, die bei einigen Stücken lediglich die rhythmisch wirksamen Elemente des Didgeridoos, der Klanghölzer (Clapsticks) sowie den Gesangstext untereinander darstellte.

    Viele Neueinsteiger halten diese Form von Notation für das Didgeridoo intuitiv für nicht möglich und erwarten zumindest eine Notation im Sinne von 2.

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