Didgeridoobau

Das Vorbereiten und Fertigen
  1. eines Didgeridoos aus einem ausgehöhlten Eukalyptus-Stamm, bzw. 
  2. eines Didgeridoos aus anderen Hölzern und Materialien. In der Regel sollen diese Instrumente in Klang- und Spieleigenschaften originalen Didgeridoos ähneln bzw. entsprechen.

Gliederung


Teil I: Grundvarianten des Didgeridoobaus

   1. Didgeridoobau aus ausgehöhlten Eukalyptusstämmen
   2. Bau von Didgeridoos aus anderen Hölzern und Materialien

Teil II: Übersicht zu Werkstoffen und Bautechniken

   1. Naturgewachsene Werkstoffe
   2. Kunststoffrohre (Abfluß-, Regenrohre)
   3. Andere natürliche und künstliche Werkstoffe

Teil I. Grundvarianten des Didgeridoobaus



1. Didgeridoobau aus ausgehöhlten Eukalyptusstämmen



Bei Eukalyptus-Rohlingen ist der Klangkanal bereits vorhanden, deshalb liegt der Fokus des Didgeridoo-Bauers hier auf der (künstlerischen) Bearbeitung der klanglichen Feinheiten (Tunen) und optischen Eigenarten (künstlerische Gestaltung). Dazu gehört das Entrinden, das Verringern der Wandstärke von außen, das Bearbeiten des oberen und unteren Endes (Mundstück, Bell-End), sowie die Behandlung der Flächen (bemalen, imprägnieren, versiegeln, siehe auch Didgeridoo, Pflege).

Alle traditionellen Didgeridoo-Bauer (z.B. Djalu Gurruwiwi) sowie viele der weißen Didgeridoo-Bauer aus Australien (z.B. Bruce Rogers, Bob Druett u.a.) fertigen Instrumente aus dem traditionellen ("klassischen") Material Eukalyptus.

Manchmal sind auch außerhalb Australiens kleine Mengen an exportierten Rohlingen erhältlich, so daß sich Bastler an der Fertigung eines "Originals" versuchen können. Wegen der hohen Transportkosten und der stark einschränkenden gesetzlichen Vorschriften ist diese Möglichkeit jedoch sehr beschränkt.



2. Bau von Didgeridoos aus anderen Hölzern und Materialien


Im Gegensatz zu der klassischen Bauweise mit Eukalyptus unter 1) gibt es besonders in den nicht-australischen Ländern mit Schwerpunkt in Europa und Nordamerika viele Didgeridoobauer, die Instrumente aus anderen Hölzern und sogar aus anderen Materialien herstellen. Das Ziel des Didgeridoo-Bauers ist hier, das verfügbare Modellspektrum zu erweitern, um individuelle Spielerbedürfnisse zu befriedigen. Dies umfasst besondere Klangwünsche, optische Vorstellungen oder auch schlicht die Kostenreduktion. Hierbei steht häufig weniger der Verkaufsgedanke im Vordergrund als vielmehr die Schaffung eines optimalen Instrumentes für die Bedürfnisse des Bauers selbst (Eigenbau). Manchmal erwachsen daraus kleine Bestände, die zum Verkauf bereitgestellt werden (in Deutschland z.B. Stefan Thiel; Johannes Schildkamp) einige Bauer beschäftigen sich hauptberuflich mit diesem Bereich (in Deutschland z.B. Eddy Halat). Das Hauptmaterial ist hier Holz, das aufgrund einer langen Instrumentenbautradition in Europa adäquat behandelt werden kann (vgl. Sandwichbau, Bohrtechnik).

Das Experimentieren mit anderen Werkstoffen erschließt eigene, kreative Varianten von Didgeridoos in Klang-, Spiel- und Materialeigenschaften. Beispiele sind Didgeridoos aus Kunststoffen, Metall, Hanf, mit extremen Formen, wie z.B. gewundene, besonders große oder kleine Instrumente (Didgebox) oder auch technische Besonderheiten (z.B. Didgeribone). Zum Teil gibt es in diesem Segment Instrumente aus standardisierter Serien- oder gar Massenproduktion.

Teil II. Übersicht zu Werkstoffen und Bautechniken


  1. Naturgewachsene Werkstoffe
    1. Holz (einheimisches Holz / Eukalyptus-Rohlinge / Balken und Plattenware)
    2. hohl oder mit weichem Kern gewachsene Pflanzen (Bambus, Herkulesstaude, Agave, Holunder) 
  2. Kunststoffrohre (Abfluß-, Regenrohre)
  3. Andere natürliche und künstliche Werkstoffe (Verbundwerkstoffe, Glas, Keramik, Hanf, Leder u.a.)


1. Naturgewachsene Werkstoffe


1. Holz


Aus einem Holzstamm lässt sich besonders effektiv der für den Klangaufbau, das Timbre und das Spielverhalten verantwortliche Klangkanal, das Verhältnis der Wandstärke, und auch die optische Ausgestaltung herausarbeiten. Für Didgeridoos aus heimischen Holzarten werden gerne Äste oder Stämme als Rohlinge verwendet, deren Form die Konturen des späteren Instrumentes bereits (ansatzweise) erkennen lassen. Bevorzugt werden Harthölzer (Obstholz, Eiche, Robinie, Ahorn, Nussholz, u.a.). Instrumente aus weicheren Hölzern (Birke, Thuja, Fichte, o.ä.) sind ebenso möglich bedürfen aber einer intensiveren Bearbeitung.

In der Regel wird gut abgelagertes Holz für den Didgeridoobau verwendet (Faustformel: pro cm Durchmesser ein Jahr lang trocknen lassen). Alternativ wird auch frisches (grünes) Holz verarbeitet, welches dann erst nach der Verarbeitung, aber wesentlich schneller, trocknet. Wichtig ist bei dieser Methode aber eine sehr zügige Verarbeitung.

Gängige Baumethoden:
  • Bohren: Ein möglichst gerader Stamm wird der Länge nach durchbohrt, weiteres unter Bohrtechnik.
  • Sandwichbauweise: Ein Stamm oder Ast wird der Länge nach aufgesägt, ausgehölt und wieder zusammengefügt, weiteres unter Sandwichbauweise.


Insbesondere für die rationalisierten, für den Verkauf bestimmten Didgeridoos wird gelegentlich auch Balken- und Plattenware verwendet. Hierbei wird neben der Sandwichtechnik auch die Stabbauweise verwendet, bei der mehrere angegehrte Stäbe zu einer vieleckigen Röhre zusammengesetzt werden. 
 

  • Zurechtgeschnittene Platten aus Sperrholz können einen rechteckigen Klangkanal umgeben. Diese Methode wird besonders für die Didgebox verwendet, in denen ein mehrfach gefalteter Klangkanal umbaut wird.
  • Dünne Schichten aus Furnierholz können mit Leim beschichtet und um eine Schablone gewickelt werden. So lassen sich zylindrische bis konische Instrumente herstellen.



2. Hohlgewachsene Pflanzen


Um eine hohle Röhre zu erhalten, liegt es nahe, bereits hohl gewachsene Pflanzen zu verwenden, oder solche, die ein leicht zu entfernendes Inneres haben.

Bambus


Bambus ist von sich aus hohl, sehr stabil, leicht bearbeitbar und vergleichsweise preiswert. Die Klangqualität von Bambusdidgeridoos ist erfahrungsgemäß am besten, wenn dickwandiger (1 - 2cm) Bambus verwendet wird, am besten geeignet sind die wurzelnahen Bereiche großer Halme. Diese sind allerdings am schwersten zu bekommen.

Bambus weist in bestimmten Abständen sog. Wachstumsknoten auf. Diese verschließen plattenförmig das Bambusrohr und werden mit meist selbstgebauten Werkzeugen (Zeltstangen, mit Besenstiel verlängerte Raspel etc.) restlos entfernt. (Ein am Mundstückende belassener Wachstumsknoten kann zu einem Mundstück umgearbeitet werden).


  • Das Rohr sollte von innen versiegelt werden, um den bei Bambus fast selbstverständlichen Rissen vorzubeugen. Diese Risse werden von Spannungsunterschieden zwischen dem faserigen, holzigen Inneren und der steinhart verkieselnden Oberfläche hervorgerufen, die spontan, bei Feuchtigkeitsaufnahme oder bei Temperaturwechsel entstehen und das Instrument unbrauchbar machen können. Zum Versiegeln werden meist Holzlacke, Holzwachse und/oder Epoxid verwendet. Widerstandsfähige Imprägnierungen bieten auch (lebensmittelechte) Holzöle, bei Bambus sind jedoch Versiegelungen einer Imprägnierung vorzuziehen.
  • Für ein noch geringeres Riss-Risiko werden häufig leimgetränkte Kordeln partiell um das Bambusrohr gewickelt. Damit wird gleichsam einer Verletzungsgefahr durch ein plötzliches Aufspringen des Instrumentes vorgebeugt.
  • Eine weitere Methode, um Bambus robuster, d.h. resistenter gegen Rissbildung zu machen, ist das "Rösten". Dabei wird der Bambushalm über einer offenen Flamme (Gasflamme/-brenner) oder einem Heissluftgebläse erhitzt. Die außenliegende Silikatschicht wird dabei entwässert und quasi "gebrannt" und verfestigt sich. Im Nebeneffekt können dabei ansprechende Muster entstehen. Allerdings birgt diese Methode selbst die Entstehung von Rissen. Eine Variante dieser Methode wird im Didgeridoo-Magazin Nr.6 beschrieben.
  • Eine aufwendige aber sehr effektive Methode ist das Entfernen der Silikatschicht durch schleifen oder abfeilen. Damit wird die Ursache der Spannungen beseitigt.
  • Einige Didgeridoobauer experimentieren auch mit dem Übereinandersetzen von Bambusabschnitten unterschiedlicher Durchmesser um konische Verläufe zu erzielen.

Herkulesstaude


Das weiche Innere der Stengel der im frischen Zustand sehr giftigen Pflanze wird mit einer Stange o.ä. durchstoßen und entfernt. Die Verarbeitung setzt besondere Vorsichtsmaßnahmen voraus. Das Instrument muß gut versiegelt werden. Siehe Herkulesstaude 

Agave


Der Blütenstamm der Agave hat von Natur aus einen eine gute Ausgangsform für Didgeridoos mit ausgeprägter Bell. Der spröde Kern der Agave lässt sich entweder durch Sandwichbauweise oder durch Ausbrennen entfernen. 

 2. Kunststoffrohre


Industriell gefertigte Kunststoffrohre werden überall im Bau- und Heimwerkerbereich verwendet. Sie eignen sich hervorragend für Einsteigerinstrumente, da sie preiswert und leicht zu beschaffen sind.


  • Aus einem handelsüblichen Abflussrohr (offizielle Bezeichnung:HT-DN; umgangsprachlich HT-Rohr) kann man ohne viele Umstände und handwerkliches Geschick ein einfaches Instrument bauen. Ein Abflussrohr mit einem Durchmesser von 32-40mm, evtl. auch bis zu 50mm und einer Länge von ca. 1,00 m - 1,30 m ist von sich aus schon ein brauchbares Instrument. Insbesondere für Einsteiger eine gute Wahl, da die Anschaffungspreise bei ca. 3 Euro liegen. Im Zubehör findet man einige Steckelemente, die ein bespielbares Mundstück ergeben. Man kann mit verschiedenen Durchmessern und Längen experimentieren, indem man Reduzierelemente benutzt und verschiedene Varianten ausprobiert.
  • Aus Abflussrohr (Außendurchmesser 50mm) und Regenfallrohr (Innendurchmesser 50mm) kann man sogar ein in der Länge und somit der Tonhöhe verschiebbares Didgeridoo herstellen.
  • Verschiedentlich wird damit experimentiert, HT- und PE-Rohre durch Wärmeeinwirkung zu verformen oder einzelne Abschnitte miteinander zu verschweißen, um die Form des Innenkanals zu optimieren. Da PE- und PP-Rohre von der Materialzusammensetzung her dafür geschaffen sind, bei Bränden keine giftigen Gase freizusetzen, kann davon ausgegangen werden, dass diese Methode weitgehend ungiftig ist. Dennoch ist bei solchen Versuchen zur Vorsicht geraten (allein wegen der Brand- bzw. Verbrennungsgefahr durch schmelzendes Plastik). Für ausreichend Belüftung ist zu sorgen, ein Atemschutz sollte erwogen werden.
  • Nicht geeignet sind PVC-Rohre wegen der möglichen toxischen und krebserregenden Eigenschaften. Allerdings sind PVC-Rohre in Deutschland aus diesem Grund nicht erhältlich.

3.  Andere Werkstoffe


1. Alternative Naturmaterialien


Hanf


Hanffasern werden nach einem speziellen Verfahren gemahlen und mit Wasser vermischt. Die entstehende Masse wird nach Bedarf eingefärbt, auf eine Form aufgespritzt, maschinell getrocknet und durch Schleifen nachbearbeitet. Hanfdidgeridoos sind stabil, leicht flexibel, und äußerst widerstandsfähig. Außerdem sind sie zu 100% aus Naturmaterialien und theoretisch kompostierbar. Hinweis: Das Verfahren zur Herstellung von Hanfdidgeridoos ist technisch kompliziert und aufwendig und daher für den Eigenbau nicht geeignet. 

Leder


Ein sorgfältig zugeschnittenes Lederstück wird zusammengenäht, in Form gebracht und zur Stabilisierung mit Epoxid ausgegossen. 

2. Faserverbundstoffe


Glasfaser und Epoxid/Polyester



Auf eine Form aufgebracht, ergeben mit Epoxid (Kunstharz) oder Polyester getränkte Glasfasermatten hochfeste und gut klingende Instrumente. Epoxid ist teurer, härter und spröder als Polyester und hat die besseren Klangeigenschaften. Hierbei ist von handelsüblichen Autoreparatursets abzuraten, da die Harzverbindungen Lösemittel enthalten. Im Elektronik- und Modellbau sind Harze erhältlich, die lebensmittelechte Verbindungen erzeugen. Die Form kann aus einem Drahtgitter erstellt werden, das mit Alufolie umwickelt und mit Bienenwachs oder einem Trennmittel bestrichen wird. Auch Formen aus Luftballons und sandgefüllten Stoffsäcken sind bekannt (letzteres übrigens aus dem Bau der Hanfdidgeridoos (s.u.). Schon eine Schicht ist ausreichend, allerdings kann die Stabilität durch einen mehrschichtigen Aufbau erhöht werden. Dabei wird über die erste Schicht eine Spachtelmasse gestrichen, geschliffen und mit einer weiteren Glasfaser-Kunstharzschicht bedeckt (Die ausdünstenden Lösungsmittel dieser Masse sind nach dem Finish dauerhaft in dem Glasfasergeflecht eingebettet). Das Ergebnis sind äußerst stabile, unempfindliche und klangfähige Instrumente.
  • Einen Sonderfall stellen hier Surfmasten dar (meist Polyester). Sie sind sozusagen die vorgefertigte Variante und aufgrund ihrer leichten Konizität gut geeignet. Ein nicht mehr gebrauchsfähiger Surfmast kann mit wenigen Handgriffen und entsprechend gekürzt ein brauchbares Instrument ergeben.
  • Ebenfalls möglich sind Didgeridoos aus Kohlefasern, die aber eines erheblich höheren Aufwandes bedürfen (Innen- und Außenform, ausbacken im entsprechenden Ofen).

   

3. Metalle


Instrumente aus Metall werden bevorzugt aus Rohren gefertigt. Verschiedentlich wird mit einem vieleckigen Aufbau aus Metallstreifen experimentiert. Zwar sind auch getriebene, gegossene oder geschmiedete Instrumente denkbar, doch sind aufgrund des immens hohen Aufwandes nach unserem Wissen bisher keine derartigen Instrumente gebaut worden. Metallrohre oder Trichter aus Blech werden jedoch häufig als Erweiterung in Kombination mit Holzinstrumenten verwendet


4. Glas


Vielfach werden Rohre aus Glas wegen ihres klaren Klanges geschätzt. Durch einen Glasbläser können kugelförmige Erweiterungen eingearbeiten werden.Allerdings ist die Modifikationen hin zur naturähnlichen Form hier ebenso schwierig wie bei Metall. Bekannt geworden ist eine Modellreihe eines Herstellers der farbige Glasdidgeridoos in Verbindung mit einer Leuchte als Licht-Klangobjekte produziert.


5.Ton / Keramik


Sehr gute Erfolge erzielte das Experimentieren mit Instrumenten aus Ton. Zwar ist der Brennvorgang je nach Größe mit Schwierigkeiten verbunden, jedoch können verschiedenste Formen ausprobiert werden, z.B. Spiralformen oder schneckenförmige Instrumente. Auch hier ist der Klang sehr klar. Die Form wird aus leicht brennbarem Material erstellt, das beim Brennen verglüht.

Instrumente aus Porzellan oder anderer hochwertiger Keramik sind zur Zeit nicht bekannt.

6. Sonstige


Besonders im Experimentierstadium mit neuen Formen sind leicht formbare (aber nicht unbedingt festere) Materialien sehr beliebt.
  • Gipsbinden können ebenso wie Pappmaché leicht auf Formen aufgebracht werden.
  • Papprohre sind gut geeignet um mit Kindern zu arbeiten. Sie sind leicht bemalbar, nicht zu fest und können mit kinderfreundlichen Spielzeuglacken verfestigt werden.
  • Die Verwendung von Beton ist zwar eher unpraktikabel, nichtsdestotrotz sind damit schon durchaus verwendungsfähige Instrumente erstellt worden. Bei entsprechender Optimierung des Kanals könnten damit sehr faszinierende Ergebnisse erzielt werden.
  • Bestandteile aus Kunstoffen und Verpackungen werden oft miteinender kombiniert. Grabvasen (!) und Plastikflaschen werden aufgeschnitten und als Bell eingesetzt, Öffnungen von Joghurtverpackungen als Mundstück modifiziert.
  • Gartenschläuche, Waschmaschinenschläuche, Staubsaugerrohre und Auspuffrohre (selbstverständlich unbenutzt oder gereinigt) dienen ebenfalls zu Experimentierzwecken.

Mischungen und Kombinationen aller aufgeführten Werkstoffe sind nicht selten. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

[TG/AS/HS]